Julia Koppers: „Der Maler im Patrizierhause“

Julia Koppers: „Der Maler im Patrizierhause“
Thema: „Kunst bringt Gunst“
Eine Neuerwerbung von 2025 für die Julia-Schily Koppers-Sammlung der Stadt Borken hat durch die Kuratorin Daniele Schmidt einen interessanten Rahmen bekommen: Entstehung und Gestaltung eines frühen Werks der Malerin wurden jetzt in einer Studioausstellung im Farb verdeutlicht.
Das Gemälde wurde 1889 in einer Ausstellung der Königlichen Akademie der Künste in Dresden präsentiert, unter dem Titel „Kunst bringt Gunst“, eine früher geläufige Redensart. Es variiert ein älteres Motivs aus der barocken Malerei, hier Vermeers, nämlich das Malen als Kunst und das Berufsbild „Maler“.
Gezeigt wird mit „Gelegenheit macht Diebe“ ein „paralleles“ Werk als Kontrast sowie auch werden außerdem vor allem Skizzen, Entwürfe und ein Brief des Vaters an die Tochter aus dem Nachlass der Malerin.
Bemerkenswert ist die Fotografie eines weiteren, fast identischen Werks der Malerin, das 1891 auf der großen Internationalen Kunstausstellung in Berlin gezeigt wurde. Hier hat sie – wohl etwas später, nach ihrer Heirat – signiert als „J. SCHILY-KOPPERS“.
Nein, Kunst ist anscheinend nicht (bloß) Eingebung, Fantasie oder Ähnliches, sondern eher „Studieren“, Probieren, Vergleichen, Verändern.
Dass es nicht allzu viele waren, die die Einladung zur Vernissage angenommen haben, dürfte an der größeren Zahl von Veranstaltungen in diesen Tagen liegen.
Wer sich für die „Entstehung“ von Kunst interessiert, wird die kleine Ausstellung, die Daniele Schmidt betreut hat, spannend finden. BF

„Der Maler im Patrizierhause“ – etwas heller wiedergegeben als es das Original ist.

Studie: Vorhang in Falten
(C) Rheinisches Archiv für Künstlernachlässe (RAK), Bonn

Studie: Schlafendes Kind
(C) Heimatverein Borken
Fotorepro einer anderen, unbekannten Version des Gemäldes.
Als Thema des Gemäldes schrieb die Malerin unter das Bild: „Kunst bringt Gunst“, ein durchaus geläufiges Motiv, nicht nur in der Malerei, wie Daniele Schmidt erläutert.
(C) Rheinisches Archiv für Künstlernachlässe (RAK), Bonn

Ausschnitt aus dem Brief des Vaters an seine Tochter vom 16. Juni 1883.
(C) Rheinisches Archiv für Künstlernachlässe (RAK), Bonn
Essen den 16. Juni 1883
Liebe Julia!
Selten ist uns eine Freude so unerwartet gekommen wie die durch deine heutige telegraphische Mittheilung. Einen so glücklichen Ausgang der Berliner Ausstellung für dich erwarten zu wollen, wäre (vermeßen) gewesen, nur dahin durften die Wünsche sich richten, dass ein nicht ungünstiger Verkauf erfolgen werde. Jetzt ist nicht blos ein sehr günstiger Verkauf erreicht, sondern die Aussicht, welche durch diesen eröffnet wird, möchte noch weit größere Bedeutung für dich fordern dürfen. … Der Künstler lebt von seinem Rufe. Der Ruf wirbt für ihn um Bestellungen; der Ruf bedingt die Preise seiner Arbeiten.
Nun, wenn der Kaiser ein Bild kauft, so ist damit der Anfang zu einem Rufe wohl recht glänzend gemacht. Ob nun das jetzige Ergebniß sich weiter ausbeuten lassen möchte? oder ob es vorzuziehen [wäre], die Wirkungen weiter herankommen zu lassen? Mir scheint, dass Schritte, welche bescheidener Weise geschehen können, auch zu bewirken sein werden. …
Anfang des Briefes von Vater Koppers an seine Tochter Julia vom 16. Juni 1883.
(Transkription: Bruno Fritsch, unter Berücksichtigung der Transkription von Daniele Schmidt für die Ausstellung)

Pick, Erika und Karla